- Merkmale: Herzmuskel verdickt sich, betroffen ist meist die linke Herzkammer
- Ursache: meist genetisch bedingt, vererbbar
- Mögliche Folgen: Brustschmerzen, belastungsabhängige Atemnot, plötzlicher Herztod

Kardiomyopathie ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen des Herzmuskels. Diese können zu einer Erweiterung einer oder beider Herzkammern und einer Verdickung der Herzwände führen. Durch die strukturellen Veränderungen kann es zu einer Abnahme der Pumpleistung und schließlich zu einer Herzschwäche kommen, die mit abnehmender Leistungsfähigkeit, schneller Ermüdung und Atemnot einhergehen kann.

Die Medizin unterscheidet zwischen primären und sekundären Kardiomyopathien. Die primären Formen entstehen im Herzmuskel selbst. Sie können genetisch bedingt sein oder Folge einer Herzmuskelentzündung. Sekundäre Kardiomyopathien haben ihren Ursprung in anderen Erkrankungen, z. B. Stoffwechsel-, Bindegewebs- oder Speichererkrankungen. Sie können aber auch durch chronischen Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum oder die Behandlung mit bestimmten Medikamenten gegen Tumorerkrankungen entstehen. Je nach Art der Gewebeveränderung unterscheidet man folgende Kardiomyopathie-Arten:1
Kardiomyopathien können durch sehr unterschiedliche Faktoren begünstigt werden. Ein Teil davon ist nicht beeinflussbar, vor allem eine familiäre Veranlagung oder bestimmte Grunderkrankungen. Wichtig ist dabei: eine genetische Veranlagung bedeutet nicht automatisch, dass die Erkrankung ausbricht oder gleich schwer verläuft. Gene erhöhen nur die Wahrscheinlichkeit, während der tatsächliche Verlauf auch von weiteren Einflüssen und dem Zeitpunkt der Diagnose abhängt.
Eine Differenzierung nach Schweregraden wie bei der Herzinsuffizienz, die in Abhängigkeit von Belastbarkeit und Alltagseinschränkungen gemäß der NYHA-Klassifikation in die Schweregrade NYHA I bis NYHA IV einteilt, gibt es bei Kardiomyopathien nicht. Allerdings kann für die Hypertrophe Kardiomyopathie der sogenannte HCM Risk-SCD Score berechnet werden, um das Risiko eines plötzlichen Herztods innerhalb der nächsten 5 Jahre abzuschätzen und eine Entscheidung zu treffen, ob die Implantation eines Kardioverter-Defibrillators (ICD) notwendig ist.6
Die Beschwerden können anfangs unspezifisch sein oder ganz fehlen. Manche Betroffene merken lange nichts, andere werden früh durch Herzstolpern, Herzrasen oder Beschwerden bei Belastung aufmerksam. Bei Vorliegen folgender Symptome ist daher eine ärztliche Abklärung sinnvoll:
Wenn Beschwerden auftreten, die auf eine Herzmuskelerkrankung hinweisen, sollten sie zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Das gilt auch, wenn Herzmuskelerkrankungen in der Familie vorkommen. Die Diagnostik soll klären, ob und welche Form der Kardiomyopathie vorliegt, wie stark das Herz betroffen ist und welche Ursache dahintersteckt. Der Befund ist die Grundlage für die Einschätzung individueller Risiken und der weiteren Behandlung.

Die Behandlung einer Kardiomyopathie soll Beschwerden lindern, Komplikationen vermeiden und den Verlauf möglichst günstig beeinflussen. Welche Therapie infrage kommt, hängt von der Form der Erkrankung, ihrer Ursache, den Symptomen, der Herzfunktion und dem individuellen Risiko für Herzrhythmusstörungen ab. Bei manchen Formen reicht es nicht aus, nur die Kardiomyopathie-Symptome zu behandeln. Bei entzündlichen Auslösern, Herzmuskelschäden durch Alkohol, Drogen oder bestimmte Medikamente sowie bei Erkrankungen mit Ablagerungen im Herzmuskel müssen auch die Ursachen behandelt werden.
Verlauf und Lebenserwartung hängen stark von Krankheitsform, Schweregrad und dem Vorhandensein weiterer Risikofaktoren ab. Bei geringfügig verändertem Herzgewebe, das die Herzfunktion nicht oder nur minimal beeinträchtigt, kann die Lebenserwartung normal sein. Eine frühzeitige Diagnostik bei Symptomen und eine konsequente Therapie können die Prognose verbessern.
Insbesondere bei der hypertrophen Kardiomyopathie, bei der sich meist die linke Herzkammer verdickt, sind die Aussichten gut, wenn eine Behandlung mit modernen Therapieformen erfolgt.7 Die Prognosen für die dilatative Kardiomyopathie sowie die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie reichen von mehreren Jahren bis zu Jahrzehnten. Auch hier spielen Therapietreue und moderne Methoden eine Rolle.
Ob man einer Herzmuskelerkrankung vorbeugen kann, hängt stark von der Ursache ab. Wichtig ist vor allem, die Erkrankung früh zu erkennen, um Risiken wie Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche rechtzeitig zu behandeln. Bei erworbenen Formen kann man das Risiko dagegen oft senken, zum Beispiel durch einen herzgesunden Lebensstil und das Vermeiden von Auslösern.

Wer nach einer Klinik für das Thema Kardiomyopathie sucht, sollte auf moderne Diagnostik und Therapie sowie auf Erfahrung in der Behandlung von Herzmuskelerkrankungen achten. Eine gute Klinik für Kardiomyopathien muss dabei nicht zwingend ein großes Herzzentrum sein. Auch ein regionales Krankenhaus vor Ort kann eine gute Adresse sein, wenn es eine solide kardiologische Diagnostik, moderne Behandlungsverfahren, strukturierte Kontrollen und bei Bedarf eine Versorgung mit Schrittmacher, ICD oder CRT anbietet oder verlässlich organisiert.
Wichtig sind außerdem gute Kooperationen mit Herzzentren und Anlaufstellen für genetische Beratung. Ein spezialisiertes Herzzentrum ist vor allem dann sinnvoll, wenn seltene oder komplexe Kardiomyopathie-Formen vorliegen oder spezielle Eingriffe erforderlich werden.
1 Gesundheit.GV.AT: „Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien)“, Letzte Aktualisierung: 22.02.2023, https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/herz-kreislauf/herzmuskelerkrankungen.html, (Letzter Abruf: 05.03.2026)
2 Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.: „Kardiomyopathien Leitlinien für das Management von Kardiomyopathien“, Version 2023, S. 17 https://leitlinien.dgk.org/files/33_2023_pocket_leitlinien_kardiomyopathien.pdf, (Letzter Abruf: 05.03.2026)
3 Silberbauer K, Juhasz M Ohrenberger G: „Alkoholische Kardiomyopathie“, Journal für Kardiologie – Austrian Journal of Cardiology 2003; 10 (9), 379-382, www.kup.at/kup/pdf/3513.pdf, (Letzter Abruf: 05.03.2026)
4 Stiefelhagen, P.: „Lifestyle-Drogen bedrohen das Herz“. MMW – Fortschritte der Medizin 161, 18 (2019). https://doi.org/10.1007/s15006-019-0388-9, (Letzter Abruf: 05.03.2026)
5 Springer Medizin: „Medikamententoxische Kardiomyopathie“, 27.04.2024, https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/dgim-innere-medizin/medikamententoxische-kardiomyopathie?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54676-1_179, (Letzter Abruf: 05.03.2026)
6 Kardiovaskuläre Medizin Online: „HCM Risk-SCD Score bei Hypertropher Kardiomyopathie“, https://ekgecho.de/hcm-risk-scd-score-calculator/, (Letzter Abruf: 05.03.2026)
7 Maron, Barry et al. „Advances in the Management of Hypertrophic Cardiomyopathy Leading to Low Disease-Related Mortality in 2023“, In: The American Journal of Cardiology, Volume 212, Supplement, 1 February 2024, Pages S77–S82, https://doi.org/10.1016/j.amjcard.2023.10.073, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0002914923012535 (Datum des Zugriffs: 05.03.2026)
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