Wer ist von Fisteln betroffen?
Fisteln können grundsätzlich in jedem Alter auftreten, betreffen aber am häufigsten Erwachsene zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Männer sind generell häufiger betroffen.1 Besonders häufig sind Analfisteln, die typischerweise im Zusammenhang mit Entzündungen im Analbereich entstehen. Die Häufigkeit lässt sich aufgrund der begrenzten Studienlage nicht zuverlässig bestimmen.
Gibt es unterschiedliche Arten von Fisteln?
Ja, Fisteln können in verschiedenen Körperregionen auftreten. Die Einteilung erfolgt in der Regel nach den beteiligten anatomischen Strukturen. Eine einheitliche medizinische Klassifikation gibt es bislang nicht, weshalb einzelne Fistelarten in der Fachliteratur unterschiedlich bezeichnet werden können. Hier sind einige Beispiele – die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:
- Arteriovenöse Fistel – eine direkte Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene; sie kann angeboren, traumatisch oder therapeutisch (z. bei Dialysezugängen) entstehen
- Urethrovaginale Fistel – eine pathologische Verbindung zwischen der Harnröhre und der Vagina, meist Folge von Geburtstraumata, Operationen oder Bestrahlung
- Rektovaginale Fistel – verbindet den Enddarm (Rektum) mit der Scheide, häufig verursacht durch Entzündungen (z. Morbus Crohn), Operationen oder Geburtsverletzungen
- Analfistel – ein entzündlich bedingter Gang zwischen dem Analkanal bzw. Rektum und der Haut im Bereich des Afters, meist infolge von Analfissuren oder Analabszessen
- Enterokutane Fistel – verbindet den Dünn- oder Dickdarm mit der Haut, z. nach Operationen, Entzündungen oder bei Tumorerkrankungen
- Ohrfistel (präaurikuläre Fistel) – meist angeborener Gang im Bereich des äußeren Ohrs, der sich entzünden kann
- Halsfistel – in der Regel angeboren, z. als Überbleibsel der Kiemenbogenentwicklung
- Zahnfistel (dentogene Fistel) – ein Entzündungsgang von einer infizierten Zahnwurzel nach außen zur Mundhöhle oder durch die Haut
Welche Symptome deuten auf eine Fistel hin?
Fisteln können je nach Lage im Körper sehr unterschiedliche Beschwerden verursachen. In vielen Fällen verlaufen sie zunächst unauffällig oder mit nur leichten Symptomen. Besonders im Bereich des Afters können die Beschwerden jedoch deutlich spürbar und belastend sein. Typische Symptome sind:
- Nässende oder eitrige Absonderungen im Bereich des Afters
- Schmerzen, insbesondere stechend oder pulsierend beim Sitzen oder Stuhlgang
- Blutungen am After
- Juckreiz oder Reizungen der Haut
- Sichtbare oder tastbare kleine Öffnung in der Nähe des Afters
- In schweren Fällen: unkontrollierter Stuhlabgang über die Fistelöffnung (selten)
Viele Patienten schämen sich wegen der Beschwerden und zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dabei ist eine frühzeitige Abklärung wichtig, um Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhalten!