Osteoporose

 

Das Thema im Überblick

  • Bei Osteoporose kommt es zu einem Verlust der Knochendichte und zu Veränderungen in der Struktur des Knochengewebes.
  • Diese Veränderungen machen die Knochen brüchiger und erhöhen das Risiko für Frakturen – besonders an Wirbelsäule, Hüfte und Handgelenk.
  • Die Ursachen sind multifaktoriell: Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter und wird durch Faktoren wie hormonelle Veränderungen, chronische Erkrankungen, Untergewicht, Mangelernährung oder Vitamin-D-Mangel erhöht.
  • Osteoporose, auch „Knochenschwund“ genannt, gilt als Volkskrankheit: In Deutschland sind rund 3,6 Millionen Menschen betroffen, vor allem Frauen im höheren Lebensalter über 70 Jahre.
  • Rund zwei Drittel der Hochrisikopatientinnen und -patienten werden derzeit nicht leitliniengerecht diagnostiziert oder behandelt, obwohl eine frühe Diagnose und Therapie entscheidend sind, um Frakturen zu verhindern.
  • Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen 3-Jahres-Frakturrisiko. Sie umfasst eine Basistherapie mit Ernährung, Bewegung, Sturzprophylaxe sowie eine ausreichende Versorgung mit Vitamin-D und Kalzium und, bei erhöhtem Risiko, eine gezielte medikamentöse Therapie.

Was ist Osteoporose?

Osteoporose, der sogenannte „Knochenschwund“, ist eine Erkrankung des gesamten Skeletts. Mit der Zeit verliert der Körper an Knochenmasse, und die feine innere Struktur des Knochens verändert sich. Die Knochen werden dadurch instabiler und bruchanfälliger, selbst bei kleinen Stürzen oder alltäglichen Belastungen. Osteoporose entwickelt sich meist schleichend und bleibt oft über Jahre unentdeckt, bis plötzlich ein Knochenbruch auftritt.

Wie viele Menschen sind in Deutschland von Osteoporose betroffen?

Osteoporose gilt heute als Volkskrankheit, die vor allem ältere Menschen betrifft. Wie häufig sie tatsächlich ist, lässt sich nur schwer genau erfassen, da die Krankheit oft über viele Jahre unentdeckt bleibt. Laut der großen europäischen SCOPE-Studie (2021) sind in Deutschland etwa 1,2 Mio. Männer und 4,5 Mio. Frauen betroffen – die meisten davon im Alter über 50 Jahre.1

Welche Symptome treten bei Osteoporose auf?

Im frühen Stadium verursacht Osteoporose keine spürbaren Beschwerden. Der Abbau der Knochendichte und die Veränderungen der Knochenstruktur verlaufen lange Zeit unbemerkt, daher sprechen Fachleute oft von einer „stillen Krankheit“. Im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich deutliche Osteoporose-Symptome, die durch die zunehmende Instabilität der Knochen entstehen. Dazu gehören:

  • Knochenbrüche (Frakturen) – besonders an Wirbelsäule, Hüfte oder Handgelenk
  • Akute oder chronische Rückenschmerzen, häufig durch Wirbelkörperbrüche (Sinterungsfrakturen)
  • Körpergrößenverlust, wenn Wirbel zusammensacken
  • Haltungsveränderungen wie Rundrücken („Witwenbuckel“) oder Hohlkreuz
  • Das seltene, aber typische „Tannenbaum-Phänomen“ – herabhängende Hautfalten am Rücken infolge Wirbelsäulenverkürzung
  • Bewegungseinschränkungen und zunehmende Unsicherheit beim Gehen oder Stehen

Wie entsteht Osteoporose?

Grafik Knochen untersuchenDer Knochenstoffwechsel des Menschen ist ein fein austariertes System aus Aufbau und Abbau. Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance, kann über längere Zeit ein Knochenmasseverlust entstehen – die Grundlage der Osteoporose. Knochen bestehen aus einer kompakten Außenschicht (Kortikalis) und einer schwammartigen Innenschicht (Spongiosa). Die Spongiosa wird von feinen Knochenbälkchen durchzogen, die Stabilität verleihen und gleichzeitig elastisch bleiben.

Im gesunden Knochen erneuert sich dieses Gewebe fortlaufend: Alte Substanz wird durch Osteoklasten abgebaut, neue durch Osteoblasten aufgebaut. Bei einer Osteoporose verschiebt sich dieses Gleichgewicht. Der Abbau überwiegt den Aufbau, die Knochenbälkchen werden dünner, teilweise durchbrochen, und die Mikroarchitektur des Knochens verändert sich. Der Knochen verliert dabei an Dichte und Festigkeit – er wird brüchiger und kann schon bei geringer Belastung brechen.

Was sind Osteoporose-Ursachen und Risikofaktoren?

Die Entstehung einer Osteoporose ist multifaktoriell. Man unterscheidet zwischen primärer Osteoporose (meist alters- oder hormonbedingt) und sekundärer Osteoporose (Folge anderer Erkrankungen oder äußerer Einflüsse). Manche Risikofaktoren sind beeinflussbar, andere nicht.

Lebensstil – beeinflussbare Risikofaktoren

Alter und weibliches Geschlecht – nicht beeinflussbare Risikofaktoren

Erkrankungen und Medikamente – sekundäre Ursachen

Wie wird Osteoporose diagnostiziert?

Die Diagnose stützt sich auf mehrere Bausteine: Anamnese, körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren und Laboruntersuchungen. Ziel ist es, das individuelle Frakturrisiko einzuschätzen und mögliche Risikofaktoren zu identifizieren.

Anamnese

Körperliche Untersuchung

Knochendichtemessung

Laboruntersuchungen

Was gehört zur Osteoporose-Therapie?

Osteoporose ist eine chronische Erkrankung, die zwar nicht heilbar, aber behandelbar ist. Ziel der Therapie ist es, das Fortschreiten des Knochenschwunds zu verlangsamen, Frakturen zu verhindern und die Lebensqualität zu erhalten. Entscheidend ist, dass die Behandlung frühzeitig beginnt und an den individuellen Schweregrad angepasst wird.

Basistherapie: Ernährung und Lebensstil

Regelmäßige Bewegung

Medikamentöse Therapie

Wie kann man Osteoporose vorbeugen?

Osteoporose entwickelt sich über viele Jahre – umso wichtiger ist es, frühzeitig aktiv zu werden. Die wirksamste Vorbeugung besteht aus einem Zusammenspiel von Bewegung, Ernährung und einem bewussten Lebensstil.

Körperlich aktiv sein

Ausgewogene Ernährung

Risikofaktoren kennen und beeinflussen

Woran erkennt man eine gute Klinik für Osteoporose?

Eine gute Klinik für Osteoporose bietet Patientinnen und Patienten eine ganzheitliche Versorgung, die sowohl die akute Frakturbehandlung als auch die weitere Stabilisierung der Knochengesundheit mit ambulanten Osteoporose-Therapien umfasst. Eine lokale, wohnortnahe Versorgung bietet dabei einige Vorteile: Behandlung ohne lange Wege sowie enge Abstimmung mit den weiterbehandelnden niedergelassenen Ärzten.

Bei osteoporotischen Brüchen wird individuell entschieden, ob eine operative Stabilisierung (z. B. durch minimalinvasive Verfahren wie Kypho- oder Vertebroplastie, Osteosynthese) oder eine konservative Therapie mit Schmerzbehandlung, Physiotherapie und Mobilisation sinnvoll ist. Ziel ist immer, Schmerzen rasch zu lindern, die Beweglichkeit zu erhalten und eine schnelle Rückkehr in den Alltag zu ermöglichen. Hierfür arbeiten Orthopäden, Unfallchirurgen, Wirbelsäulenchirurgen, Internisten, Radiologen und Physiotherapeuten Hand in Hand.

FAQs zu „Osteoporose“

Ist Osteoporose heilbar?

Hat man bei Osteoporose Schmerzen?

Was ist der Unterschied zwischen primärer und sekundärer Osteoporose?

In welchem Zusammenhang stehen Östrogen und Osteoporose?

Quellenliste

1 Kanis, J.A., Norton, N., Harvey, N.C. et al.: “SCOPE 2021: a new scorecard for osteoporosis in Europe”. Arch Osteoporos 16, 82 (2021). https://doi.org/10.1007/s11657-020-00871-9, https://link.springer.com/article/10.1007/s11657-020-00871-9 (Datum des Zugriffs: 10.11.2025)

2 Dachverband Osteologie (DVO): „Leitlinie des Dachverbands der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Osteologischen Gesellschaften e. V.“, 2023, AWMF-Register-Nr. 183/001, Langfassung V 2.1, https://register.awmf.org/assets/guidelines/183-001l_S3_Prophylaxe-Diagnostik-Therapie-der-Osteoporose_2023-11.pdf, (Datum des Zugriffs: 10.11.2025)

3 Schumm, AK., Craige, E.A., Arora, N.K. et al.: “Does adding exercise or physical activity to pharmacological osteoporosis therapy in patients with increased fracture risk improve bone mineral density and lower fracture risk? A systematic review and meta-analysis”. Osteoporos Int 34, 1867–1880 (2023). https://doi.org/10.1007/s00198-023-06829-0, https://link.springer.com/article/10.1007/s00198-023-06829-0  (Datum des Zugriffs: 10.11.2025)

4 Obermayer-Pietsch B, Fössl I, Dimai HP.: „Langfristige Therapiekonzepte bei Osteoporose [Long-term treatment concepts for osteoporosis]“. Internist (Berl). 2021 May;62(5):474-485. German. doi: 10.1007/s00108-021-00993-3. Epub 2021 Mar 12. PMID: 33710362; PMCID: PMC8079292, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8079292/ (Datum des Zugriffs: 10.11.2025)